Campusfestival Konstanz – Von Wegen Lisbeth

Campusfestival Konstanz 01.06.2018

Konstanz.

Nun soll ich also Von Wegen Lisbeth auf die Festivals begleiten und tägliche Berichte über das sagenumwobene Tourleben zwischen Groupies, Drogenexzessen und vergessenen Drummern auf Autobahnraststätten verfassen. Es überkommt mich ein böses Gefühl: Was, wenn schilderungswürdige Eskapaden längst der Vergangenheit angehören? Wenn die allabendlichen Saufgelage durch healthy Fruitshakes abgelöst wurden, vor dem Schlafengehen trifft sich die Band nochmal in Lounge 3 des Nightliners, weil der Tourmanager zur Gutenachtgeschichte noch eine Runde heiße Schokolade gekocht hat? „Aber ab 22 Uhr wird nicht mehr getuschelt!“
Wir machen uns also Donnerstag Nacht auf den Weg Richtung Campusfestival Konstanz (sprich: „Konschtanz“, nicht jedoch „Kampusch“). Während das monströse Gefährt mit der Aufschrift „Superior Class“ raumschiffgleich durch die Nacht gleitet, wird schnell klar, dass der Erfolg auch Probleme mit sich bringt. Ein einfaches Beispiel betrifft den tourbuseigenen Getränkekühlschrank: Die Weinflaschen stehen in einem Kältesee und gekühlte Luft streicht im Umluftstrom über die Flaschen, das futuristische Designwunderwerk zeigt die Temperatur jedoch nur in Fahrenheit an. Wie also umrechnen und wie Prosecco und Adamus Premium Dry Gin anordnen? Zu den Klängen von Dvoráks 9. Sinfonie „Aus der neuen Welt“ wird das neue Videokonzept diskutiert: Das komplette Videobudget soll von der Band medienwirksam an die broken Homies aus dem Ghetto verteilt werden. Einfach weil man’s kann. Genial!
Am nächsten Morgen im südlichsten Süden Süddeutschlands: Während unsere fünf Helden gedankenverloren an ihrem Latte Macchiato nippen und der Blick über das paradiesische Panorama des Bodensees schweift, philosophiert man, was einen wohl bei einem Campusfestival erwartet. Instinktiv wischt Matze die Krümel seines Croissants von der Tageszeitung, während Robert Jean-Paul Sartres „Der Ekel“ aus seiner Hemdtasche zaubert. Die Jungs wissen einfach, wie man sich chamäleongleich seiner Umgebung anpasst. Ich frage mich, ob sie am Kotti ebenso schnell die Heroinspritze als lässiges Modeaccessoir von der Ray Ban baumeln lassen.
Nachdem mir von Seiten der Band der Vorteil von diesen sagenumwobenen Freigetränken verdeutlicht wird und das kühle Nass immer regelmäßiger meinen Gaumen benetzt, frage ich mich, ob journalistische Objektivität hier noch gegeben ist. Das muss wohl dieser „Embedded Journalism“ sein, bei dem Kriegsreporter mit einer Truppe unterwegs sind und merkwürdigerweise nicht mehr kritisch berichten. Komisch.
Die Truppe Lisbeth legt für 7 Monate Bühnenabstinenz ein solides Konzert aufs Parkett, Konstanz überzeugt mit Textsicherheit und Dünnele und trotz offiziellem Verbot kann der ein oder andere Stagedive beobachtet werden. Stay revolutionary, Konstanz! Alerta, Alerta! Sektion Stadionverbot, eure Zeit wird kommen.

Auf gehts zum Modularfestival Augsburg!